Zeitschrift für gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten

 

Zwei Studentinnen haben das überlebensgroße Maskottchen der Special-Olympics-Weltwinterspiele 2017 in ihre Mitte genommen und lächeln in die Kamera...

Statt Studienbetrieb gab es für Studierende an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Graz eine Woche lang Mithilfe bei den Special-Olympics-Weltwinterspielen 2017.

Foto: Melanie Trampusch
Special Olympics
Peter Rudlof

„Da ist einfach mehr passiert“

Statt Studienbetrieb an der Hochschule als Volunteer bei den Special Olympics

Ob Delegationsleitung, Flughafendienst, Versorgung, Transport, Kindersportprogramm, Betreuung von Ehrengästen, Infodesk oder Zeitnehmung. Überall waren rund 300 Studierende der KPH-Graz (Kirchliche Pädagogische Hochschule Graz) bei den Special-Olympics-Weltwinterspielen eine Woche lang als sogenannte Volunteers im Einsatz. 

Viele der Studierenden waren von Anfang mit großer Begeisterung dabei, manche wuchsen erst langsam in ihre Aufgaben hinein. Einige geben heute stolz zu, dass sie dankbar sind für diese „Zwangsbeglückung“ einer emotionalen Erfahrung der besonderen Art. Denn ganz freiwillig war der Einsatz zu Beginn nicht. Der Anstoß dazu war von der Leiterin des Instituts für innovative Pädagogik und Inklusion der KPH-Graz (Kirchliche Pädagogische Hochschule Graz) Prof. Mag. Dr. Susanne Herker gekommen. Sie hatte das Rektorat dazu motiviert, eine Woche lang den regulären Studienbetrieb für das Lehramt Primarstufe, Lehramt für Volksschulen, das Lehramt für Sonderschulen und Lehramt für Religionspädagogik auszusetzen und dafür die Special Olympics zu unterstützen.

Neben den Studierenden stellten sich auch ein paar Professoren und Professorinnen der KPH Graz mehrere Tage lang rund um die Uhr zur Verfügung. Die Koordination der Studierenden und der Informationsfluss mit dem Organisationskomitee von der Anmeldung bis zur der Akkreditierung erfolgte durch die Institutsleitung. 

Das Organisationskomitee der Special Olympics zeigte sich vom Engagement, der Pünktlichkeit und den teilweise zwölfstündigen Tageseinsätzen der Studierenden begeistert. Die Nachwirkung dieses Einsatzes wird nach Meinung der Initiatorin Susanne Herker noch lange anhalten und hätte durch 100 Seminarstunden niemals gewonnen werden können: „Da ist einfach mehr passiert, denn es wurde damit eine echte Unterstützung einer Wertehaltung gelebt bzw. ermöglicht, deren Weitreichung von vielen nicht gleich erkannt wurde.“ Mit großer Freude nahmen die Studierenden auch die Volunteer-Sportbekleidung von Northland entgegen, die sie als Anerkennung für die geleistete Arbeit behalten dürfen.

 

Was sagen Studierende über ihren Einsatz?

„Ich möchte mich bei Ihnen und der KPH für die einmalige Möglichkeit bedanken, dass ich als Volunteer an den Special Olympics Winter Games teilnehmen und diese erleben durfte.“

„Gerade auch hinsichtlich unseres zukünftigen Berufes war es eine wertvolle, wichtige und wunderbare Möglichkeit, die Herzlichkeit, die Begeisterungsfähigkeit und die Leistungsfähigkeit der AthletInnen sowie aller Delegationen zu spüren und mitzuerleben! Eine unvergessliche Woche mit einzigartigen Begegnungen und Erlebnissen!“ 

 

„Viele von uns mussten zu ihrem Glück gezwungen werden, aber ich versichere Ihnen, egal mit wem ich mich unterhielt, JEDE/R war im Endeffekt begeistert.“ 

„Ich werde diese Mega-Stimmung nie vergessen und auch die tolle Sportausrüstung wird mir noch lange dienlich sein!“

„Die Special Olympics waren für mich ein außergewöhnliches Ereignis. Ich konnte Erfahrungen sammeln, Eindrücke gewinnen und die unterschiedlichsten Menschen aus aller Welt kennenlernen. Die Athletinnen und Athleten nahm ich als beeindruckende, energiegeladene, mutige Persönlichkeiten wahr, die in dieser Woche alles gegeben und vieles erreicht haben. Ich bin für das Erleben dieser gemeinsamen Zeit sehr dankbar, da ich viel für mich selbst mitnehmen konnte und erst jetzt im Nachhinein merke, was diese Erfahrungen bei mir ausgelöst haben und wie sehr sie mir helfen, mich persönlich weiterzuentwickeln.“

Susanne Herker

Was bringt der Special-Olympics-Einsatz für Lehre und Studierende?

Im Curriculum „Lehramt für Primarstufe“ ist Inklusion ein sogenanntes Kernelement mit der Bezeichnung „Inklusive Pädagogik mit Fokus auf Begabung und Behinderung“. Dazu sind im Laufe der acht Semester Module wie Inklusive Primarstufenpädagogik und -didaktik oder Schuleingang und Inklusion im Curriculum zu finden. Eine Veranstaltung wie Special Olympics schafft einen total anderen, einen vorurteilsfreien Zugang zum Thema kognitive Beeinträchtigung. Stigmata wie, diese Menschen wären unzugänglich, Emotionen wären mit ihnen nicht teilbar, körperlich könnten sie nicht gefordert werden bzw. sie forderten sich selbst nicht etc. werden ausgeräumt. Das bestätigen auch Gespräche mit Studierenden. Die Überraschung über das Potenzial für Begeisterung, Freundlichkeit, Offenheit in der Kommunikation und körperlicher Trainierbarkeit hat bei den Studierenden eine völlig andere Sicht der Thematik gebracht. Solche Erfahrungen machen die Seminare und bildungswissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema realitätsnaher, die fachliche Diskussionsgrundlage ist eine völlig andere. Damit ist auch für die Kollegenschaft und nicht zuletzt für den gesamten Lehrbetrieb der KPH eine merkbare Einflussgröße aus den Special Olympics anzumerken.

Susanne Herker, Mag.a Dr.in, Leiterin des Institutes für Innovative Pädagogik und Inklusion an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule der Diözese Graz-Seckau, hatte die Idee, statt einer Woche Lehre bei den Special-Olympics-Weltwinterspielen zu helfen.

Zwei kleine Kinderhände in Nahaufnahme – Foto: privat / Blaich
Zwei kleine Kinderhände in Nahaufnahme – Foto: privat / Blaich
Ein kurzes Leben
Jochen Blaich

Wie viel ein kleiner Mensch aushalten kann

Es ist schwer, „irgendwo“ anzufangen bei unserem Sohn Samuel, der nur 1540 Tage bei uns sein durfte, ehe er am 12. Mai 2014 starb. Das war nach fast 40 Operationen, 80 bis 90 Intubationen, zahllosen Infekten und Komplikationen sowie unzähligen Klinikaufenthalten. Es ist unfassbar, wie viel ein so kleiner Mensch aushalten kann und muss. Oft stand ich hilflos und verzweifelt an seinem Bettchen, konnte sein Schreien kaum noch aushalten – und hätte ihm gern alles abgenommen.

Ausschnitt aus einer Grafik von Doris Egger vom Verein Forschungsgruppe Kreativwerkstatt
Künstlerische Grafik
Fachthema
Helga Schlichting

Schmerzen bei Menschen mit mehrfacher Behinderung – Ein Problemaufriss

S., eine 49-jährige Frau mit einer schweren Behinderung und jahrelanger Hospitalisierungserfahrung, zeigt häufig selbst- und fremdverletzendes Verhalten. In der letzten Woche hatte das stark zugenommen. S. schlug mit dem Kopf gegen den Heizkörper und auf den Boden. Heute kam sie schreiend in die Tagesförderstätte und war nicht zu beruhigen. Daraufhin wurde der Notarzt geholt und S. in das städtische Krankenhaus gebracht. Es wurde ein Darmverschluss diagnostiziert, der sofort operiert werden musste (13.09.2015, Tagesdokumentation). S. hatte wahrscheinlich aufgrund einer lebensbedrohlichen Erkrankung über Tage starke Schmerzen, die von ihrer Umwelt nicht als solche wahrgenommen wurden. Leider sind ähnliche Situationen bei Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen häufig. Das Erkennen, die Behandlung und die Begleitung von Schmerzen sind bei dieser Personengruppe sowohl von der Medizin, der Pflege als auch von der Heil- bzw. Sonderpädagogik lange vernachlässigte Themen. Dabei haben diese Menschen wahrscheinlich häufiger als jede andere Personengruppe Schmerzen und sind diesen in besonderer Weise ausgeliefert.

Stilisierte Ilustration: Sechs Kinder halten sich an den Händen und bilden einen Kreis. – Illustration: Eva-Maria Gugg
Stilisierte Ilustration: Sechs Kinder halten sich an den Händen und bilden einen Kreis. – Illustration: Eva-Maria Gugg
Syrien - Kinder im Krieg
Gerhard Einsiedler

Syrien – das Ende der Kindheit

Seit sechs Jahren werden syrische Kinder bombardiert und systematisch ausgehungert. Sie müssen zusehen, wie Freunde und Familienmitglieder vor ihren Augen getötet oder unter dem Geröll ihrer Häuser verschüttet werden. Sie beobachten, wie ihre Schulen und Krankenhäuser zerstört werden. Man versagt ihnen Nahrung, Medizin und lebenswichtige Hilfsgüter und viele werden auf der Flucht vor den kriegerischen Auseinandersetzungen von Freunden und Familien getrennt. Mit jedem weiteren Kriegsjahr erreicht die Gewalt gegen Kinder ein neues, bisher nicht vorstellbares Ausmaß und internationales Recht wird von allen Seiten missachtet.

Collage mit verschiedenen Fotos aus der Geschichte der Selbstbestimmt Leben Bewegung in Österreich - Foto: Unsere Zeitung (Hannah Wahl)
Collage mit verschiedenen Fotos aus der Geschichte der Selbstbestimmt Leben Bewegung in Österreich – Foto: Unsere Zeitung (Hannah Wahl)
Forschung
Hannah Wahl

„Wir sind nicht behindert – wir werden behindert“

Forschungsprojekt widmet sich der Selbstbestimmt Leben Bewegung in Österreich

Layenda Franco sitzt am Boden und hält in einer Yogastellung das rechte Bein hochgezogen hinter der rechten Schulter. – Foto: Lea Frei
Layenda Franco sitzt am Boden und hält in einer Yogastellung das rechte Bein hochgezogen hinter der rechten Schulter. – Foto: Lea Frei
Lebensgeschichten
Lea Frei

Bewegung ist Leben

Als Kind erkrankte der heute 60-jährige Loyenda Franco an Polio. Er lebte als obdachloser Flüchtling in Portugal und reiste trotz – oder gerade wegen seiner Behinderung – um die Welt. Gründe, den Kopf in den Sand zu stecken, hatte er viele. Auch wenn ihn seine Beine nicht zu tragen vermögen, schaffte er es stets, weiterzugehen und das Positive im Leben zu sehen.