Der Multimediavortragende Andreas Pröve sitzt in seinem „Expeditionsrollstuhl“ auf einer Gebirgsstraße im tibetischen Hochland. (Foto: Andreas Pröve)
Die Zeitschrift „Behinderte Menschen“ präsentiert:

MEKONG – im Rollstuhl von Vietnam nach Tibet

Der Multimediavortragende Andreas Pröve sitzt in seinem „Expeditionsrollstuhl“ auf einer Gebirgsstraße im tibetischen Hochland. (Foto: Andreas Pröve)

Großartige Bilder eines Abenteuers – spannend und humorvoll erzählt! Multimediashow von und mit Andreas Pröve (www.proeve.com)

Trailer: https://youtu.be/8s6GogwNuFo

Multimediashow
29. April 2015 in Linz
30. April 2015 in Graz

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Mittwoch, 29. April 2014, 17:30 Uhr
Pädagogische Hochschule Oberösterreich, Kaplanhofstraße 40, 4020 Linz

Anmeldung: http://www.ph-ooe.at/mekong

In Kooperation mit der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich. Mit Unterstützung der ÖH an der PH OÖ.

Donnerstag, 30. April 2015, 18.30 Uhr

UNI-Graz, Wallzentrum, Merangasse 70, 8010 Graz
Barrierefrei und mit Gebärdensprachdolmetschung

Eintritt: 10 Euro, bzw. 5 Euro ermäßigt (Studierende, Menschen mit Behinderung, AbonnentInnen, Vereinsmitglieder)

Nach der Multimediashow in die Cafeteria des UNI-Wallzentrums!

In Kooperation mit dem Institut „Integriert Studieren“ und der ÖH an der Universität Graz. Mit Unterstützung der Fa. Anton-Paar GmbH, der ÖH an der KPH-Graz, dem Institut für Translationswissenschaft , "Barrierefrei Studieren" an der TU-Graz und der Cafeteria des UNI-Wallzentrums.

„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann“ (Francis Picabia). Wir müssen Autismus neu denken: Anders ist nicht gleich pathologisch.

Thema der Ausgabe 1/2015:

Autismus neu denken

Anders ist nicht gleich pathologisch. Das ist wahrscheinlich die zentrale Einsicht in den letzten Jahren beim Autismus-Spektrum. Durch die Schilderungen ihrer „Innenwelten“ bringen autistische Personen die bisherige Sichtweise ins Wanken…

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Anders ist nicht gleich pathologisch. Das ist wahrscheinlich die zentrale Einsicht in den letzten Jahren beim Autismus-Spektrum. Durch die Schilderungen ihrer „Innenwelten“ bringen autistische Personen die bisherige Sichtweise ins Wanken. „Je heller, desto lauter, je lauter, desto verschwommener“, so schildert Denise Linke ihre Wahrnehmung im Interview. Ihre spezifische Wahrnehmung, ihr eigenes Denken ist eine Variante der neuro-logischen, menschlichen Vielfalt.

Der Sohn eines berühmten Hirnforschers, Kai Markram, fordert seinen Vater nicht nur im Alltag heraus, sondern er bringt auch die bisherigen neurowissenschaftlichen Theorien zur Erklärung von Autismus durcheinander. „Jeder dachte, dass diese Menschen keine Emotionen haben. Aber Kai, so merkwürdig es klingen mag, konnte wirklich in dich hineinschauen, sogar viel tiefer als andere.“ Die Eltern erforschen nun die Ursachen für das Verhalten ihres Sohnes. Ihre wissenschaftlichen Ergebnisse deuten darauf hin, dass autistische Personen die Welt – positiv wie negativ – zu intensiv wahrnehmen.

Die Beiträge von Dietmar Zöller und Christine Preißmann öffnen uns einen Spalt zu ihrer Innenwelt. Dietmar Zöller fragt, ob sein Gehirn wie ein verrücktes Versandhaus arbeitet und Christine Preißmann gibt aus eigener Erfahrung praktische Tipps, um gut leben zu können.

Immer mehr Personen aus der Fachwelt lassen sich auf ein Umdenken ein. Das drückt sich auch in der Sprache aus: Sie bedienen sich nicht mehr einer Defizitsprache, sondern bemühen sich um eine neutrale, funktionale Problemsicht. So Georg Theunissen und André Frank Zimpel in ihren Beiträgen. Theunissen gibt wertvolle Anregungen zum Verstehen autistischer Schülerinnen und Schüler und plädiert für die Wertschätzung ihrer „autistischen Intelligenz“. Zimpel hebt die neuropsychologischen Potenziale des Autismus-Spektrums als soziale Bereicherung hervor.

Auch Brita Schirmer möchte unsere Aufmerksamkeit von den Schwächen zu den Stärken autistischer Menschen lenken. Richtet sich der Scheinwerfer nicht mehr ausschließlich auf die Defizite, so können auch die Potenziale zum Vorschein kommen. Das Verstehen ist die Voraussetzung für ein gemeinsames Miteinander und in der Schule für einen qualitativen inklusiven Unterricht, an dem dann alle autistischen Kinder und Jugendlichen teilnehmen können. 

Und noch einmal Denise Linke auf die Frage, was ihr besonders auf den Geist gehe. Ihre Antwort kurz und bestimmt: Ungerechtigkeit! Wie viel davon mussten Personen im Autismus-Spektrum bis jetzt durch unsere Unkenntnis ertragen!

Josef Fragner, Chefredakteur

Josef Fragner
Chefredakteur

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Leseproben:

theunissen2004_portrait
Fachthema
Georg Theunissen

Schule und Autismus

Anregungen zur Wertschätzung „autistischer Intelligenz“ als Grundlage für die pädagogische Praxis.

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Um autistische Kinder und Jugendliche angemessen zu unterrichten, bedarf es eines zeitgemäßen Verständnisses über Autismus. Der vorliegende Beitrag soll zum Verstehen autistischer Schüler und Schülerinnen beitragen und dazu sensibilisieren, sie mit ihrer „autistischen Intelligenz“ wertzuschätzen. Der Blick für spezifische Fähigkeiten von Personen aus dem Autismus-Spektrum ist jahrelang vernachlässigt worden – stand doch die Betrachtung von Autismus im Zeichen eines Krankheits- und Defizitmodells. Inzwischen zeichnet sich ein Umbruch ab, der vor allem von autistischen Personen als Experten in eigener Sache auf den Weg gebracht wurde. Daran anzuknüpfen, ist für einen qualitativ hochwertigen Unterricht unabdingbar.

Neuere Statistiken aus führenden Industrienationen zeigen auf, dass Autismus nicht mehr als eine eher seltene Behinderungsform in Erscheinung tritt. Wie in den USA wird heute ebenso in Großbritannien Autismus vier- bis fünfmal häufiger diagnostiziert als vor etwa 40 Jahren. Auch in Deutschland steigen die Zahlen kontinuierlich an. Derzeit wird vermutet, dass die Prävalenz unabhängig von sozio-ökonomischen Einflussfaktoren bei etwa 1 % liegt. Zudem wird davon ausgegangen, dass der Anteil von autistischen Personen, die zugleich als geistig behindert gelten, weitaus geringer ist als noch vor wenigen Jahren angenommen wurde. 

Daher ist es begrüßenswert, wenn die Kultusministerkonferenz empfiehlt, autistische Kinder und Jugendliche möglichst in einen gemeinsamen Unterricht mit nichtbehinderten Schülerinnen und Schülern einzubeziehen. Damit wird nicht mehr die Förderschule als der geeignete Lernort für autistische Kinder und Jugendliche präferiert. Vielmehr soll die sonderpädagogische Förderung in allgemeinen Schulen erfolgen.

Das aber bedeutet, dass sich sowohl die schulische Heil- oder Sonderpädagogik als auch die allgemeine Schulpädagogik mit Autismus befassen muss. Eine solche Auseinandersetzung kann allerdings nur dann zu einer konstruktiven Praxis gereichen, wenn ein zeitgemäßes Verständnis in Verbindung mit aktuellen Befunden in Bezug auf Autismus zur Kenntnis genommen wird.

...weiterlesen in Heft 1/2015

kai_markram_leseprobe_eine_zu_intensive_welt_quadratisch
Report
Maia Szalavitz

Eine zu intensive Welt

So schwierig Kai

So schwierig Kai – hier mit Vater Henry Markram (li) und dessen zweiter Frau Kamila – war: Er mochte es dennoch, Menschen zu umarmen, sogar vollkommen fremde. Diese menschliche Wärme schien in den Augen vieler Experten gegen Autismus zu sprechen.

Foto: Darrin Vanselow / Matter

„Was geht im Kopf meines Sohnes mit Autismus vor?“

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„Was geht im Kopf meines Sohnes mit Autismus vor?“ Dieses Rätsel versucht einer der führenden Hirnforscher mit der Intense-World-Theory zu klären.

Etwas stimmte mit Kai Markram nicht, als er zum ersten Mal seinen Kopf emporreckte und neugierig in die Welt blickte – fünf Tage nach seiner Geburt. Kai war ein außergewöhnlich waches Baby, ganz anders als seine Schwestern, die viel später begonnen hatten, sich für ihre Umwelt zu interessieren. Als der Junge laufen konnte, wollte er partout nicht mehr stillhalten. Ständig musste jemand auf ihn aufpassen, damit er sich nicht verletzte. „Sein Akku war nicht leerzukriegen“, erzählt seine Schwester Kali. Und es ging nicht bloß um einen kindlichen Energieüberschuss: Wenn seine Eltern ihn im Zaum halten wollten, bekam er Tobsuchtsanfälle. Kai war ein soziales Rätsel: Manchmal schottete er sich komplett ab, um dann in anderen Momenten auf Fremde zuzurennen und sie zu umarmen.

Mit so einem Kind zurechtzukommen, wäre sicher für alle Eltern mühsam. Für Kais Vater war es geradezu frustrierend – denn Henry Markram ist einer der führenden Hirnforscher der Welt. Er ist der Mann hinter Europas eine Milliarde Euro teurem Human Brain Project an der ETH Lausanne. Doch wenn es um Kais Probleme ging, fühlte er sich machtlos. „Als Vater und Hirnforscher wusste ich nicht, was ich tun sollte“, sagt Markram. So kam es, dass Kais Verhalten – das später als Autismus diagnostiziert wurde – die Karriere seines Vaters von Grund auf veränderte: Henry Markram entwickelte eine neue Theorie über Autismus. 

Stellen Sie sich vor, Sie kämen von einem fremden Planeten, auf dem alles viel langsamer und ruhiger zugeht. Plötzlich werden Sie hineingeworfen in eine wirre Welt, in der die Sinne permanent überfordert werden. Die Augen der Mutter: gleißend helles Flackern. Die Stimme des Vaters: ein Presslufthammer. Der süße kleine Strampler, den alle so weich finden? Rau wie Sandpapier. Alle Liebe, alle Sorge der Eltern? Ein Bombardement aus unverständlichen Sinneseindrücken. So, sagen Henry Markram und seine Frau Kamila, fühle es sich an, autistisch zu sein. Die beiden nennen es: Intense-World-Syndrome.

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fanny_leseprobe_quadratisch
Leben in Ungarn
Sebastian Garthoff

Fannys Lächeln

Fanny Hozleiter

Fanny Hozleiter schreibt Bücher, moderiert und wurde für ihren Blog „Die Welt mit dem Rollstuhl“ ausgezeichnet. 

Foto: Daniel Kaldori

Auf staatliche Unterstützung warten Menschen mit Behinderung in Ungarn oft vergebens.

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Auf staatliche Unterstützung warten Menschen mit Behinderung in Ungarn oft vergebens. Einige übernehmen deswegen lieber selbst die Initiative. Und bringen so die Anliegen behinderter Menschen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit – oft auf ganz unkonventionelle Weise, wie zum Beispiel die Bloggerin Fanny.

Budapest. An ihrem fünften Todestag ließ sich Fanny Hozleiter ein Smiley auf die Innenseite ihres Handgelenks tätowieren. 23 Jahre alt war die Ungarin damals. Nach Meinung der Ärzte hätte ihr Leben schon mit der Volljährigkeit vorbei sein sollen. Als die heute 25-Jährige eineinhalb Jahre alt war, wurde bei ihr eine Form von Muskeldystrophie diagnostiziert. Eigentlich dürfte es sie gar nicht mehr geben. 

Fanny aber ist präsent. Und die zierliche, junge Frau mit dem breiten Lächeln und den langen, dunkelblonden Haaren ist aktiv. An jedem Geburtstag feiert Fanny deswegen jeden der ihr einst vorausgesagten „Todestage“. An diesem Tag denkt sie sich immer etwas Verrücktes aus: Sie fuhr mit ihrem elektrischen Rollstuhl auf der Rolltreppe, färbte sich die Haare bunt, kletterte auf Berge und einmal betrank sie sich auch.

Und Fanny hat einen Blog gegründet. „Die Welt mit dem Rollstuhl“ heißt er und wurde 2012 in Ungarn mit dem „Golden Blog Award“ ausgezeichnet – bei einem Wettbewerb des führenden Wirtschaftsmagazins HVG. Bis zu 70.000 Leute lesen Fannys populäre Blogeinträge. Sie tritt im Fernsehen auf, spricht im Radio, hält Vorträge in Schulen, in allen möglichen ungarischen Print- und Onlinemedien wurde über sie berichtet. Zu zahlreichen Veranstaltungen im ganzen Land wird sie als Moderatorin eingeladen. „In erster Linie aber bin ich Autorin“, stellt Fanny Hozleiter klar. „Mosolyka“ nennt sie sich auf ihrem Blog. „Mosoly“ heißt übersetzt Lächeln. Sie will die Menschen vor allem zum Lachen bringen.

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