Zeitschrift für gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten

 

Thema der Ausgabe 6/2014:

Bindung und Vertrauen

 

Intro:

Josef Fragner, Chefredakteur

Bindung und Vertrauen

Wie es Hänschen gelernt hat, wird es Hans einmal ähnlich erleben und tun. Bowlby, der Vater der Bindungstheorie, verstand Bindung als Gegenteil von Trennung. Bindung und Erkundung sind zwei zusammenspielende Motivationen. Wer sicher verbunden ist, kann gut getrennt sein und sich vertrauensvoll der Welt zuwenden.

Johanna ist ein etwas furchtsam wirkendes Mädchen, das auf die Ange- bote der Erzieherinnen extrem zaghaft antwortet. Diesen gelingt es im- mer weniger, zum kleinen Mädchen einen Zugang zu finden, das oft stun- denlang regungslos herumsitzt. Und dann: „Seit diesem Tag kennen wir Johanna als ein aufgewecktes Mädchen. Unternehmungslustig erkundet sie alles, was sich zum Spielen eignet und beobachtet aufmerksam, wo- mit sich andere Kinder ihrer Gruppe beschäftigen, die schon etwas älter sind.“
Dazwischen liegt der feinfühlige sensomotorische und verbale Dialog der Autorin Anette Orphal mit Johanna, gestützt auf die Theorien von Moshé Feldenkrais und Henri Wallon, der neben der sensomotorischen auch die diskursive Quelle der Intelligenz betont. 

Barbara Senckel verhilft dem zweijährigen Bernd durch ein passgenaues, sensibles Beziehungsangebot, aufbauend auf einer bindungsorientierten Frühförderung, dass er Vertrauen zu sich und der Welt gewinnt. Bernd entdeckt die Welt, die ihm nun offen steht.

Die verschiedenen Bindungsmuster im schulischen Alter zeigt Henri Julius auf. Außen cool, innen aufgewühlt. Forderndes Weinen und resig- nierter Rückzug. Erstarren im Ärger, Angst oder Hilflosigkeit. Vermeidendes Verhalten, obwohl gerade die Zuwendung gesucht wird. Sollen diese Muster in der Schule nicht zementiert werden, müssen den Kindern andere als bisher gemachte Erfahrungen vermittelt werden.

Thomas Müller klärt den Zusammenhang zwischen der Bindungstheorie und Eriksons Konzept des Ur-Vertrauens. Gerade in der Arbeit mit verhal- tensauffälligen Kindern und Jugendlichen erscheint dies wichtig.

Ein sicheres Bindungssystem ist wie ein Immunsystem für die Seele. Eine feinfühlige Pädagogik, welche die Anliegen und Gefühle, die Angst und den Schmerz, die Freude und die Neugier der Kinder und Jugendlichen wahrnimmt, welche diese Welt versteht und wo sie auch Widerhall findet, ermöglicht viele Bindungsschäden zu beheben und Resilienz herzustellen. 

 

Inhalt:

Artikel
Bindung und Vertrauen
Bindung und Vertrauen
Bindung und Vertrauen
Bindung und schulische Entwicklung
Bindung und Vertrauen
Was ist mit Johanna?
Praxis
Bernd entdeckt die Welt. Bildungsorientierte Frühförderung
Magazin - Gedanken
Bäuche
Magazin - Herr Groll auf Reisen
Werner Vogt in der Ärztekammer
Magazin - Grenzenlos Reisen
Vicki, Petra und ich - eine arabische Liebesgeschichte
Magazin - Zum Nachdenken
"Leben bis zuletzt"
Magazin - Le petit fils / Der kleine Mann
Die Sicherheits-Leine
Magazin - Report
Umschwung in Bolivien
Magazin - Aus der Behindertenanwaltschaft Österreichs
Unbenutzbarer Lift diskriminiert behinderten Wohnungsinhaber
Magazin - Interview
Vom Ausgleiten der Sonderschule
Magazin - Report
Fremde Heimat Kirgisistan