Zeitschrift für gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten

 

Sofi sitzt im Freien in einer freistehenden Badewanne, ein Pferd steht daneben und trinkt aus der Badewanne.

"Begegnung mit Sofi", Fotoessay von Snezhana von Büdingen

Fotoessay
Snezhana von Büdingen

Begegnung mit Sofie

In ihrer Serie „Begegnung mit Sofie“ zeigt Snezhana von Büdingen das Leben der mittlerweile 20 Jahren alten Sofie mit Trisomie 21. Geboren in einer deutschen Auswandererfamilie in Dänemark lebt Sofie seit acht Jahren mit ihren Eltern und ihrem Bruder auf einem kleinen Gutshof im Osten Deutschlands.

Sofie war 18 Jahre alt, als Snezhana von Büdingen sie im Oktober 2017 zum ersten Mal besuchte. Seit ihrem Schulabschluss verbringt Sofie die meiste Zeit auf dem Gutshof. Sie mag es, allein zu sein, aber auch mit den wenigen Menschen, zu denen sie eine enge Beziehung aufbauen konnte: zu ihrer Familie, zu den Tieren des Hofes und zu ihrem Freund Andy. Nach ein paar Tagen mit Sofie war es klar, dass die Fotografin über diesen besonderen Menschen ,erzählen‘ möchte. Die Kamera schüchterte sie nicht ein, sonst wäre es unmöglich gewesen, sie über Jahre fotografisch zu begleiten.

Von Büdingens Resümee: Jeder Mensch mit oder ohne Trisomie 21 ist sehr individuell. Was aber für mein Empfinden die Menschen mit Trisomie 21 verbindet, ist der Zustand des ‚Freiseins‘ – eine Art Befreiung von sozialen Zwängen. Dadurch entsteht eine besondere Art der Ehrlichkeit, die diese Menschen ausstrahlen und die mich so stark anzieht. Sie nehmen die Welt etwas anders wahr, was ich faszinierend finde. Dabei streben sie aber wie jeder von uns, nach Liebe und Geborgenheit. Das haben mich diese Begegnungen gelehrt.“ 

 

Snezhana von Büdingen wurde 1983 in Perm (Russland) geboren, sie lebt und arbeitet als unabhängige Fotografin in Köln. Von Büdingen studierte Kommunikationsmanagement mit Schwerpunkt Journalismus an der Fachhochschule Osnabrück. 2013 bis 2016 absolvierte sie die Ausbildung zur Fotografin an der Fotoakademie Köln. In ihrer Arbeit fokussiert sie sich auf Portraitfotografie sowie Reportage. Ihre Arbeiten wurden in Medien wie „TIME“, „Die Zeit“, „Der Spiegel“, „stern“, „DeMorgen“, „deVolkskrant“ veröffentlicht. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen bei internationalen Fotowettbewerben: Leica Oskar Barnack Award 2019, The Alfred Fried Photography Award 2018, LensCulture Portrait Awards 2018, ZEISS Photography Award 2018, SONY WORLD PHOTOGRAPHY AWARDS 2017.

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Mehrfärbige Darstellung eines Schiffes am Wasser von Harald Schulth
Porträtfoto von Stephan Ellinger, Foto: privat
Fachthema
Stephan Ellinger

Differenz macht dumm

Soziologische Dimensionen schulischen Lernversagens

Strukturgebend ist die Frage, wie aus überindividueller Heterogenität individuelles Schulversagen wird. Regelmäßig zeigen Statistiken, dass Anderssein nach wie vor auch dann Prädiktor Nummer 1 für schulisches Lernversagen ist, wenn sich damit nicht eine Intelligenzminderung oder geistige Behinderung verbindet. Soziale Differenz stellt an sich im Lernen kein Hindernis dar, führt aber – so die These dieses Beitrags – unter bestimmten Umständen zur Benachteiligung der einen und zur Bevorzugung der anderen Schülerinnen und Schüler durch die Lehrkräfte. Am Ende eines unseligen Prozesses gelten dann die einen als dumm, schulversagend und lernbeeinträchtigt – und die anderen als erfolgreiche Lerner, Absolventen und gute Schüler.

Kinder mit unterschiedlichen Hautfarben sitzen am Mittagstisch und lachen fröhlich in die Kamera. Foto: Linda Jordan
Kinder mit unterschiedlichen Hautfarben sitzen am Mittagstisch und lachen fröhlich in die Kamera. Foto: Linda Jordan
Schulentwicklung mit Erfolg
Fabian van Essen

Die Newham Story: Schulische Inklusion seit den 1980er Jahren

Newham ist ein Bezirk im Londoner Osten, der 1964 aus den von der „working class“ geprägten Stadtteilen East und West Ham hervorgegangen ist (und in dem heute ca. 350.000 Personen leben). Die Labour Partei war in diesem Teil Londons traditionell sehr stark und hat sich den benachteiligten Bürgerinnen und Bürgern als besonders verpflichtet verstanden (Jordan & Goodey 2002, 12). Wichtiger Wegbereiter für Inklusion in Newham war der Warnock Report (Warnock 1978), in dem unter anderem empfohlen wurde, dass Kinder und Jugendliche mit special educational needs vorzugsweise in Mainstream Schools (Regelschulen) unterrichtet werden sollten: „This recommendation became interpreted by some parents and lobby groups as a call to end all segregation of pupils with special educational needs“ (Evans 1999, o.S.).

Mehrfärbige Darstellung von zwei Pilzen mit großen schwarzen Punkten am Schirm. Harald Schulth
Porträtfoto von Erwin Breitenbach. Foto: privat
Fachthema
Erwin Breitenbach

Vom Behalten zum Erinnern – Wie funktioniert unser Gedächtnis?

Alles Lernen ist untrennbar mit dem Gedächtnis verbunden. Lehrende und Lernende sollten deshalb möglichst gut mit der Struktur und Funktionsweise des Gedächtnisses vertraut sein, denn nur so sind sie in der Lage, Lernprozesse optimal und effektiv zu gestalten. Einem solchen an das Gedächtnis angepassten Lehren und Lernen stehen oft – nicht nur bei Laien – grundlegende Fehlannahmen im Wege, die es auszuräumen gilt.

Willi sitzt offensichtlich gut gelaunt auf einem Stuhl und zieht seine nackte linke Fußsohle artistisch hoch bis auf seine linke Wange.
Willi sitzt offensichtlich gut gelaunt auf einem Stuhl und zieht seine nackte linke Fußsohle artistisch hoch bis auf seine linke Wange.
Willis Insiderwissen
Birte Müller

Kommentare

Manchmal wünschte ich, ich könnte in die Köpfe der Menschen schauen. Was denken unsere Nachbarn über uns? Über das ewige laute Schreien von Willi – sei es nun aus Freude oder Unmut. Was denken sie über die ewig gleichen Anweisungen, die wir Willi zurufen? Nervt es sie so sehr wie uns manchmal?

Ein Vater trägt sein Kleinkind in Tragegurten an der Brust und schaut von einer Anhöhe auf Bäume und Berge. Foto: Fabian Sixtus Körner
Ein Vater trägt sein Kleinkind in Tragegurten an der Brust und schaut von einer Anhöhe auf Bäume und Berge. Foto: Fabian Sixtus Körner
Anderswo
Jürgen Streihammer

„Ich brauche euer Mitleid nicht“

Fabian Sixtus Körner war ein Abenteurer. Jetzt ist er Vater einer Tochter mit Trisomie 21. Er hielt das für einen „Schicksalsschlag“. Ein Irrtum. Heute reisen sie gemeinsam um die Welt: Nichts wie weg aus dem verkrampften Deutschland!