Zeitschrift für gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten

 

Wild wucherndes, langes Gras – mittendrin eine rote, kräftige Mohnblume.

Ein guter Pädagoge weiß, dass das Gedeihen einer guten Ernte nicht nur in seiner Hand liegt.

Foto: Hofmann
Vom sorgfältigen Blick in der Pädagogik
Christel Manske

„Dann wird auch das Wort Behinderung verschwinden“

Wir kennen alle die Augenblicke, die unser Leben verändert haben. Es war nur eine Geste, ein Wort, eine Erfahrung und nichts ist mehr, wie es war.

Der gute Pädagoge belehrt nicht

Ich war sechs Jahre alt. Wir wohnten auf dem Boden eines Bauernhofs. Wir waren sieben Kinder und vier Erwachsene. Die Flugzeuge, die über das Haus flogen, warfen keine Bomben mehr ab. „Wir haben Frieden“, sagte meine Mutter. 

Ich hatte eine Schachtel. In der Schachtel war mein Schatz. Es waren zehn silberne Markstücke. Ich zählte sie mehrmals am Tag. Ich nahm sie mit auf den Hof. Ich zeigte sie meiner Schulfreundin. Als ich wieder allein auf dem Hof saß, zählte ich meine Markstücke. Es waren nur noch neun. Ich zählte immer wieder. Endlich begriff ich, dass eine Mark fehlte. Ich suchte den ganzen Hof ab: im Sand, im Gras, unter jedem Stein. Ich weinte und weinte. Ich hatte sie verloren. Sie musste auf dem Hof liegen. Opa bog mit seinem Fahrrad in den Hof. Er setzte sich zu mir ins Gras: „Warum weinst du denn so sehr?“ „Ich habe meine Mark verloren. Ich hatte doch zehn. Es sind nur noch neun. Sie muss hier sein. Ich war nur auf dem Hof. Ich kann sie nicht finden.“ „Wir suchen weiter, bis wir sie gefunden haben.“ Ich suchte mit Opa. „Opa, Opa hier liegt sie. Ich habe sie gefunden!“ „Na siehst du.“ Er stand auf und ging ins Haus.

Ich hatte meinen Frieden gefunden. Ich sitze auf dem Hof und zähle Mark für Mark: eins, zwei, drei und endlich zehn. Ich werde – solange ich lebe – mit meiner Schachtel auf dem Hof sitzen. Ich sitze im Gras. Es ist ein lauer Sommerabend. Ich fühle meine Silberlinge zwischen Daumen und Zeigefinger. Ich mache die kleine Holzschachtel zu, dann öffne ich sie wieder und zähle noch einmal. Meine Freundin steht plötzlich neben mir, sie sagt: „Meine Tante hat gesagt, dass ich dir die Mark wiedergeben soll.“ Sie tut es und rennt schnell wieder weg.

Ich zähle wieder meine Markstücke. „Acht, neun, zehn, elf.“ Ich zähle noch einmal. Es sind elf. Ich weiß genau, dass ich zehn hatte. So genau, wie ich weiß, dass ich zehn Finger habe.

L. S. Vygotskij schreibt, dass eine Krise wie eine Katharsis ist. Die Psyche strukturiert sich vollständig um. Das sechsjährige Mädchen, das eben noch nach der Mark im Gras gesucht hat, gibt es nicht mehr.

Ich suche nach einer Antwort in meinem Kopf. „Hat Opa die Mark ins Gras gelegt? Er hat es gemacht. Er war es. Die Mark lag in seiner Nähe. Er hat gesagt, dass ich sie gefunden habe. Das stimmt nicht. Ich habe seine Mark gefunden.“

Als ich mit meiner Schachtel nach oben ging, fragte meine Oma: „War Opa schon da, als du sie gefunden hast?“ Ich sagte nicht ja und nicht nein. Ich hatte nicht nur eine Mark gefunden. Ich hatte von dem klaren Wasser der Gegenwartspädagogik getrunken. Die Quelle, die bis heute nicht versiegt ist. Mein Geheimnis, das ich mit niemandem geteilt hatte, bis ich mein Buch „Die Kraft geht von den Kindern aus“ (1982) veröffentlichte.

Es geht um Lösungen in jedem Augenblick

Gudrun war drei Jahre alt und Birgit zwei Jahre. Gudrun saß auf der Schaukel im Hof und Birgit stand davor und weinte: „Schaukel, Schaukel.“

Ich war 24 Jahre alt und arbeitete als Lehrerin. Ich sah zufällig aus dem Küchenfenster, als mein Großvater auf die Kinder zuging. Er blieb stehen. Dann nahm er die kleine Birgit an die Hand und ging mit ihr in den Schuppen. Er kam nach einer Weile zurück. An der einen Hand hielt er Birgit, und in der anderen Hand hielt er ein Brett und die Wäscheleine. Er knüpfte die Wäscheleine an die Teppichstange. Das Brett legte er so in die hängende Leine, dass es ein passender Schaukelsitz wurde. Er setzte Birgit darauf. Er gab beiden Kindern „Anschubs“ und ging ins Haus. Die Kinder schaukelten um die Wette.

Diese Erfahrung habe ich vor 50 Jahren gemacht. Sie kommt zu mir zurück, so als würde ich gerade aus dem Fenster schauen. Die Sonne scheint. Die Kinder tragen Sommerkleidchen, mein Opa trägt eine dunkle Hose und eine Strickjacke aus weißer Schafwolle. Der Apfelkuchen steht auf dem Küchentisch. Es muss an einem Sonntag gewesen sein.

Zwei kleine Mädchen brauchen zwei Schaukeln, nicht mehr und nicht weniger. Und wenn Opa kein Brett und keine Leine gefunden hätte, dann hätte er eine Lösung gefunden. Er hätte alles getan – nur nicht die dreijährige Gudrun von ihrer Schaukel genommen. Die hätte das noch nicht verstanden.

Der Lehrer als guter Gärtner

Als ich vor 40 Jahren den Aufsatz über „Die frühkindliche Defektologie“ von L. S. Vygotskij las, war ich versöhnt mit dem Gedanken, dass es Hoffnung gibt. Er schreibt: „Alle eindeutig psychologischen Besonderheiten des defektiven Kindes sind ihrer Grundlage nicht biologischer, sondern sozialer Natur. Möglicherweise ist die Zeit nicht mehr fern, da die Pädagogik es als peinlich empfinden wird, von einem defektiven Kind zu sprechen, weil es ein Hinweis darauf sein könnte, es handle sich um einen unüberwindbaren Mangel der Natur. In unseren Händen liegt es, so zu handeln, dass das gehörlose, das blinde, das schwachsinnige Kind nicht defekt ist. Dann wird auch das Wort selbst (Behinderung) verschwinden, das wahrhafte Zeichen für unsere eigene Behinderung.“

L. S. Vygotskij vergleicht den guten Lehrer mit dem guten Gärtner, der im Frühling im Obstgarten steht und sich mit einem sorgfältigen Blick den Zweigen zuwendet. An den Zweigen hängen keine Äpfel. Dennoch erkennt er an den kleinsten Knospen, dass der Apfelbaum seiner Bestimmung, Äpfel hervorzubringen, nachgeht. Ob die Ernte reich ausfällt, das hängt auch von der Pflege seiner Apfelbäume ab. Der Gärtner muss Sorge tragen, dass er die Bäume vor Frost schützt, dass sie Wasser bekommen und er muss auf Sonne und Wind hoffen.

Dennoch: Der gute Gärtner weiß, dass das Gedeihen einer guten Ernte nicht in seiner Hand liegt. Er weiß, dass er einen Teil dazu beiträgt, sein Bestes zu tun. Er muss sich in jedem Augenblick bewusst sein, was die Bäume für ihr Wachstum benötigen. Er muss in diesem Sinn mit den Bäumen verbunden sein. Die Aufgabe des guten Pädagogen besteht darin, das geistige Werden gemeinsam geteilt mit den Kindern zu erfahren. In der Pädagogik geht es also nicht um ein vom Pädagogen einseitig bestimmtes Lernangebot, sondern um gemeinsam geteilte Erkenntnisreisen mit den Kindern. Der gute Pädagoge belehrt nicht.

Die Eltern sind die größte Kraftquelle

Im Jahr 2014 wurde der Nobelpreis für Physiologie an John O’Keefe und die Ehepartner May-Britt und Edvard I. Moser für die Entdeckung von „Global Positioning System“ (GPS) in Tieren und Menschen verliehen. Sie haben nachgewiesen, dass das Bewusstsein vom dreidimensionalen Raum als funktionelles System angeboren ist. Unser Gehirn ist demnach schon vor der Geburt mit dem Bewusstsein von Raum und Zeit ausgestattet.

Ein Kind ohne Autismus sieht die Mutter schon von weitem kommen. Es erkennt die Stimme der Mutter aus der Entfernung und es fühlt, wie sie sich nähert. Das Kind passt sein Verhalten der Mutter an. Es sieht, hört und fühlt die Mutter im Raum. Es folgt ihren Bewegungen. Es lernt sich selbst im Raum zu orientieren. Das Kind und die Mutter lernen Distanz und Nähe zueinander so zu organisieren, dass es eine lustvolle Begegnung ist.

Die Mutter lernt sehr schnell Gestik, Mimik und die Stimme ihres Kindes zu deuten. Sie hört, sieht und fühlt, was die Stimme des Kindes ausdrückt. Sie ahnt: „Jetzt hat es Hunger.“

Das Kind bekommt essen und ist schnell in Harmonie. Sie ahnt: „Jetzt hat es Angst.“ Sie nimmt es zärtlich auf den Arm. Das Kind schläft geschützt ein.

Das Kind mit Autismus schreit, je mehr sich die Mutter bemüht. Es schreit, wenn die Mutter es schaukelt. Es schreit, wenn die Mutter es auf den Arm nimmt. Es schreit, wenn sie es füttern will. Es schreit die ganze Nacht. Die Mutter wird immer unsicherer im Umgang mit ihrem Kind. Sie ist hilflos.

Eine wunderbar lehrreiche Geschichte

Raun Kaufman war mit Autismus auf die Welt gekommen. Stundenlang saß er auf dem Fußboden und drehte einen Teller. Für ihn gab es weder Vergangenheit noch Zukunft. Um im raumlosen Raum und in zeitloser Zeit zu überleben, das heißt tätig zu sein, hatte er den Frühstücksteller für sich entdeckt. Er hatte sich den Willen des Tellers, sich zu drehen, geliehen. Er nahm den Teller in beide Hände, er gab einen kleinen Anstoß und dann drehte sich der immer gleiche Teller. Mit allen Sinnen fokussierte Raun den Teller. Er drehte den Teller stundenlang bis zur Erschöpfung. Diese Position konnte er nicht aufgeben.

Seine Mutter gab den Gedanken auf, ihre Erwartungen auf Raun zu projizieren. Sie akzeptierte sein Verhalten. Sie erkannte, dass dieser Teller für Raun lebensrettend ist. Sie erkannte auch, dass sein Verhalten zutiefst sinnvoll sein musste. Raun konnte nicht sein wie sie. Aber sie konnte versuchen, wie Raun zu sein. Daher hatte sie nur ein Ziel, dass Raun nicht einsam seinen Teller dreht, sondern dass sie auch einen Teller dreht so wie er, den immer gleichen Teller, im immer gleichen Raum.

Das gemeinsame Tellerdrehen dauerte Wochen, bis das Wunder eintrat, mit dem sie schon nicht mehr gerechnet hatte. Sie hatte den Eindruck, dass Raun zum ersten Mal auch auf ihren Teller schaute. Ein kleiner Augenblick, aber ein großer Schritt auf dem Weg seiner Entwicklung, den Autismus hinter sich zu lassen. Es dauerte wieder Wochen, bis Raun auf ihre Hände schaute, sein Blick sich an ihren Armen hoch bewegte zu ihrem Gesicht. Er schaute sie an. Er fand ihre Augen. Zuerst hing an dem Teller eine Hand mit einem Arm, mit Haaren und dann mit einem Gesicht. Später hielten zwei Personen einen Teller in ihren Händen, den sie drehten.

Raun wurde ein fröhlicher Junge, der in die Schule ging und lernte. Raun Kaufman ist in der Zwischenzeit erwachsen geworden, ist ein US-amerikanischer Dozent, Autor und ehemaliger CEO des Autism Treatment Center of America in Sheffield, Massachusetts, wo die Autismus-Interventionstherapie Son-Rise unterrichtet und praktiziert wird.

Wesentlich ist das Strahlen der Augen

In der Harvard Universität wurden Filme gedreht, die die Bedeutung des Blickkontakts zwischen Lehrenden und Lernenden mit Hilfe bildgebender Verfahren bei der Gehirntätigkeit zeigen. Wenn sich die Kommunizierenden mit liebevollen, strahlenden Augen begegnen, nur dann sammelt sich zu diesem Zeitpunkt die im Großhirn verteilte Energie, die als kleine Lichtpunkte zu sehen ist in den Neuronen des Frontalhirns. In diesem Augenblick findet die Zellteilung statt und die Vernetzung der Neuronen beginnt. Die spontane Bildung der psychischen Systeme, das ist die Umstrukturierung der Psyche wie sie L. S. Vygotskij beschrieben hatte, obwohl er sie in dieser Form nicht nachweisen konnte.

Für Prof. V. Matvievsky sind die strahlenden Augen der Lehrerinnen und Lehrer obligatorisch. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass die autistischen Kinder das funktionelle System dreidimensionaler Raum ausbilden können. Dieses System ermöglicht den Kindern dann die Zeitwahrnehmung. Nur wenn sie das Bewusstsein von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erwerben, können sie ihren Schutzmechanismus stereotypes Verhalten kontrollieren. 

Die Arbeit in der Community in Georgien besteht darin, mit den autistischen Kindern und mit ihren Müttern so zu kommunizieren, dass sie das funktionelle System Zeit- und Raumbewusstsein entwickeln. Die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer und den Müttern besteht darin, dass sie lernen, den dreidimensionalen Raum bewusst zu erfassen. Prof. V. Matvievsky arbeitet in Moskau, Georgien und Kasachstan. Selbst Kinder, die mit schwerem Autismus leben, werden unter seiner Anleitung geheilt. Obwohl seine Arbeit inzwischen bekannt ist und er in elf Städten ein Internat und ein Institut betreibt, wird das Credo „Autismus ist nicht heilbar“ wie ein unumstößliche Wahrheit von vielen Ärzten, Psychologen und Pädagogen gepredigt und geglaubt. Sie sind sich ihres Scheiterns gewiss und erklären nun ihre einsame Gewissheit zur Wahrheit. Wir wissen, dass einsame Gewissheit in der Psychiatrie als Wahnsinn klassifiziert wird. Ich wünsche allen Eltern, Pädagogen, Psychologen und Ärzten, die mit autistischen Kindern arbeiten, dass sie die Möglichkeit haben, diese bahnbrechende Arbeit kennen zu lernen: https://inclusivepractices.net/

Staunen statt Urteile

Die autistischen Zwillinge Konstantin und Kornelius Keulen unterhalten sich miteinander nur auf der Ebene der Gedanken. Dass sie kommunizieren, ahnen wir, wenn wir sehen, wie sie die Augenlider bewegen, die Stirn, die Augen. Konstantin, der einen Preis für Lyrik bekommen hat, schreibt:

 

Über die gedanken

allerdings sind so feine gebilde wie gedanken am wenigsten mit rohen materiellen waffen zu besiegen.

ein gedanke ist ein energetisches gebilde.

er kann fliegen

ein gedanke ist ein energiestrom.

ein mensch lebt aber ausschließlich durch energien. 

 

Entdeckungen finden immer im Zeitpunkt der Gegenwart statt. Auf unsere Entdeckungen reagieren wir nicht so schnell mit einem Urteil, sondern mit Staunen.

Literatur von Christel Manske (Auszug)

Christel Manske (2016): Inklusive Lesefibel für Kinder mit Down-Syndrom, Leseratten und Legastheniker. Lehmanns Media Berlin.

Christel Manske (2018): Inklusiver Mathematikunterricht für Kinder mit Down-Syndrom, Dyskalkulie und Mathefreaks. Lehmanns Media Berlin.

Christel Manske (2018): Schreibbuch zur Inklusiven Lesefibel. Lehmanns Media Berlin.

 

 

Dr. Christel Manske ist Leiterin ihres Instituts für die Entwicklung funktioneller Hirnsysteme in Hamburg. Sie arbeitet mit Kindern, die aufgrund ihrer Besonderheiten (u. a. Autismus, Trisomie 21, ADHS, Hochbegabung) in der (Regel-)Schule auffällig wurden oder vom gemeinsamen Lernen in unseren Bildungseinrichtungen ausgeschlossen sind.

Christel Manske Institut Charlottenstraße 32, 20257 Hamburg www.christel-manske-institut.de

Auf der flachen Hand sitzt ein Insekt und kann wegfliegen, wann es will. Foto Cattari Pons / photocase.de
Auf der flachen Hand sitzt ein Insekt und kann wegfliegen, wann es will. Foto Cattari Pons / photocase.de
Gedanken einer Mutter
Cornelia Weber

Loslassen und warum das so schwer ist

Das Handy klingelt und schweigt gleich nach zwei kurzen Tönen wieder. Der Fahrdienst. Das ist ihr Zeichen, wenn sie im Anflug mit dir sind und ich nach draußen kommen soll, um dich in Empfang zu nehmen. Ich werfe mir schnell eine Jacke gegen die Kälte über und renne nach draußen. Der kleine Transporter-Bus mit dem großen Rollstuhlzeichen darauf und einem weiteren daneben für Kinder hat bereits ein kleines Verkehrschaos angerichtet, indem er verkehrt herum an unserem Fußweg parkt und schon die Rampe aus dem Heck ausklappt. Hupend und wild gestikulierend warten die Autofahrer, dass du herausgerollt wirst und der Bus weiterfährt. Und da kommst du. Dick eingepackt – so, dass keiner erahnen könnte, was für ein zartes Wesen da unter all den wärmenden Schichten verborgen ist. Blonde Locken quellen unter der dicken Mütze hervor und der Mann vom Fahrdienst schaut mich achselzuckend und gleichzeitig hilflos entschuldigend an, als du kurz aufschreist. „Macht sie schon die ganze Fahrt“, sagt er knapp. Schnell das Gefälle der Rampe hinunter, immer noch begleitet von einem Hupkonzert, drückt er mir die Griffe deines Rollstuhls in die Hand. Festhalten.

Die Daumen nach oben: Andreas Pröve mit einem motorbetriebenen Rollstuhl unterwegs in China. Foto Pröve
Die Daumen nach oben: Andreas Pröve mit einem motorbetriebenen Rollstuhl unterwegs in China. Foto Pröve
Anderswo
Andreas Pröve

China – von Shanghai nach Tibet

Unbändige Abenteuerlust treibt den querschnittsgelähmten Andreas Pröve immer wieder in die Welt hinaus. Auf seiner jüngsten Tour ist er dem Jangtsekiang über 6000 Kilometer gefolgt – von der Mündung bei Shanghai quer durch China bis zu seiner Quelle im tibetischen Hochland. In Behinderte Menschen schildert er, wie es ihm erging.

2 Schüler haben das Schuhwerk getauscht, sodass jeder zwei verschiedene Sandalen anhat.
Porträtfoto von Univ.-Prof. Dr. Hans Karl Peterlini
Inklusion in Südtirol
Hans Karl Peterlini

Inklusion ist (un)möglich

Der italienische Weg (fast) 100-prozentiger Inklusion am Beispiel Südtirol

Für ein derzeit vielseits gerühmtes ‚Modell‘ war der Anfang ziemlich chaotisch: In den 1980er Jahren herrschte in Südtirol ein dramatischer Mangel an Lehrkräften. Der südliche Teil des altösterreichischen Tirols war als Folge des 1. Weltkrieges 1919/20 von Italien annektiert worden, fast ein halbes Jahrhundert stagnierte das kulturelle Leben im Tauziehen zwischen Staat und Minderheit.

Prof. Nicola Cuomo mit dunkler Brille sitzt vor dem Laptop und überlegt angestrengt. Foto Stefan Meyer
Prof. Nicola Cuomo mit dunkler Brille sitzt vor dem Laptop und überlegt angestrengt. Foto Stefan Meyer
Spuren, die Nicola Cuomo hinterlassen hat
Stefan Meyer, Erik Weber, Alice Imola, Elisabetta Bacciaglia

Begegnungen mit Nicola Cuomo

Stefan Meyer, Erik Weber, Alice Imola und Elisabetta Bacciaglia: Sie alle sind in ihrem Leben Nicola Cuomo begegnet und haben mit seinem Konzept „l’emozione di conoscere ed il desiderio di esistere“ (EDC) – Empathie und Verstehen und die Sehnsucht zu existieren – gearbeitet. Eine Zusammenarbeit, die Spuren hinterlassen und verändert hat. In den folgenden Beiträgen schreiben sie darüber und bringen uns so einen großen Menschen und Wissenschaftler näher.

Textiles, bedrucktes Gewebe, das mit Fäden in mehreren Farben bestickt ist. Raffaella Niederkoffler
Porträtfoto von Prof. Dr. Jutta Schöler, der Doyenne der deutschen Integrationsbewegung
Fachthema
Jutta Schöler

Schwere Behinderungen in der Schule

1982 habe ich Nicola Cuomo in Bologna kennen gelernt. Zuvor war ich in Florenz. Ludwig Otto Roser hatte mir die ersten Kontakte vermittelt. Damals konnte ich mich in Schulen von Florenz davon überzeugen: Das ist möglich! Gemeinsames Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung, ohne Ausnahme.1 Bei einem meiner Besuche in einer Schule in Florenz wurde mir von den Lehrerinnen empfohlen: „Wenn Sie mehr wissen wollen über die Integration von Kindern mit Behinderung, dann müssen Sie nach Bologna fahren, zu Andrea Canevaro und Nicola Cuomo.“