Zeitschrift für gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten

 

Die taubblinden Zwillingsbrüder Jörg und Rolf Fischer sitzen in einem in farbiges Licht getauchten Raum und spüren die Lichtreflexe.

Acht Monate lang hat die Fotografin Marlena Waldthausen die taubblinden Zwillingsbrüder Jörg und Rolf Fischer mit ihrer Kamera begleitet. Entstanden ist ein beeindruckender Fotoessay.

Foto: Waldthausen
Fotoessay
Marlena Waldthausen

Zwei ganz besondere Brüder

Acht Monate lang hat Marlena Waldthausen die taubblinden Zwillinge Jörg und Rolf Fischer mit ihrer Kamera begleitet. Beide sind gehörlos geboren und auf Grund eines schweren Diabetes im Laufe ihres Lebens erblindet. Daher erleben sie die Welt anders als die meisten Menschen.

Und genau das macht ihre Beziehung so einzigartig: Weil sie mit ihrer Umwelt nur schwer kommunizieren können, unterstützen sie sich gegenseitig im Alltag und haben eine eigene Sprache und einen speziellen Humor entwickelt. Jörg ist inzwischen blind. Rolf, der noch einen geringen Sehrest hat, versucht seinen taubblinden Bruder daher so gut es geht zu unterstützen. Beim Gehen führt er ihn, auch wenn er selbst den Weg oft schon nicht mehr sehen kann und übersetzt für Jörg, wenn es etwas zu lesen gibt, auch wenn es ihm große Mühe bereitet.

In Deutschland leben etwa 8000 bis 10.000 taubblinde Menschen. Viele sind aufgrund der doppelten Sinnesbehinderung isoliert in ihrer eigenen Welt und können nur schwer Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen. Bei Rolf und Jörg ist das anders: Sie waren seit ihrer Geburt fast nie voneinander getrennt. Seit 2012 leben die beiden 51 Jahre alten Brüder gemeinsam im Deutschen Taubblindenwerk Fischbek (ca. 70 km südwestlich von Hannover), einer speziellen Einrichtung für mehrfachbehinderte taubblinde und hörsehbehinderte Menschen.

Für ihre Fotoserie „Brüder“ lernte Waldthausen die Gebärdensprache und das Lorm-Alphabet, um mit Jörg und Rolf Fischer kommunizieren zu können. „Sie begleiten und fotografieren zu dürfen, war eine der schönsten Erfahrungen in meinem Leben“, betont Waldthausen. „Aus tiefstem Herzen bewundere ich die beiden, wie sie mit den Schwierigkeiten ihres Lebens umgehen. Besonders beeindruckt mich ihr unglaublicher Humor.“

 

Marlena Waldthausen wurde 1987 in Stuttgart geboren. Mehrere Jahre lebte sie in Lateinamerika. Im Jahr 2012 schloss sie ihr Bachelor-Studium des Studienganges Regionalstudien Lateinamerika an der Universität zu Köln ab. Dann absolvierte sie ihr Studium Fotojournalismus und Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover. Ihre Schwerpunkte liegen auf fotografischen und filmischen Langzeitprojekten. Sie erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen für ihre Arbeiten. Die preisgekrönte Fotoserie „Brüder“ wurde inzwischen mehrere Male und weltweit ausgestellt. Waldthausen lebt in Amsterdam und arbeitet bei der niederländischen Tageszeitung „de Volkskrant“, ihre Bilder werden aber auch in Geo, Stern, de Morgen, Politiken, Volkskrant Magazine, Knack und bei CNN veröffentlicht.

Web: www.marlena-waldthausen.de

E-Mail: mail@marlenawaldthausen.de

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Lotta mit Sonnenbrille sitzt auf einer Parkbank und schaut staunend, mit leicht geöffnetem Mund in den Himmel.
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Willi sitzt auf einer Bank, die Kappe hat er schief auf dem Kopf. In einer Hand hält er ein Kuchenstück. Er wirkt zufrieden.
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