Zeitschrift für gemeinsames Leben, Lernen und Arbeiten

 

Der ehemalige Rollstuhlbasketballer Dirk Schmitz übt an einem Fitnessgerät. Sein Trainer Thomas Gessler steht dahinter.

Thomas Gessler und der ehemalige Rollstuhlbasketballer Dirk Schmitz sind ein Team im Fitnessstudio.

Foto: Fitness4You
Sport
Gerhard Einsiedler

Fitness auf vier Rädern

Das Fitnessstudio „Fitness4You“ in Ulmen (Eifel) ist Vorreiter bei der Inklusion. Zusammen mit dem ehemaligen Rollstuhlbasketballer Dirk Schmitz hat der Studiobesitzer und Personal Trainer Thomas Gessler ein sportliches Projekt ins Leben gerufen, das allen Rohstuhlfahrern Mut machen soll, in der Öffentlichkeit in einem Fitnessstudio zu trainieren.

„Die Überwindung für einen Rollstuhlfahrer, sich in einem Fitnessstudio anzumelden, ist enorm hoch “, meint Thomas Gessler. „Man ist extrem von einer zweiten Person abhängig und die Berührungsängste sind in der Gesellschaft immer noch sehr hoch. Aus diesem Grund wollte ich eine Plattform erschaffen, auf die jeder Rollstuhlfahrer zugreifen kann. Einfach um weniger abhängig zu sein vom Personal, das vor Ort in den Studios ist.“ Gesagt, getan: Auf der Social Media Plattform „Facebook“ ist die Seite „Wheelchair Fitness“ entstanden, auf der einzelne Übungen im Rollstuhl erklärt und bildlich dargestellt werden und somit auch zu Hause geübt werden können:

https://www.facebook.com/rocktundrollt/

Viel Zuspruch

Aus dem sozialen Projekt wurde ganz schnell eine persönliche Herausforderung für Schmitz – der Ehrgeiz packte ihn. Zusammen mit seinem Trainer Gessler nahm er nach nur acht Wochen Training im Fitnessstudio zehn Kilo ab. Doch damit nicht genug: „Wir bekommen viel Zuspruch von Mitgliedern aus dem Studio, aber auch auf den sozialen Netzwerken, das pusht uns enorm“, freut sich Gessler für seinen Schützling. „Wir hoffen, dass wir mit unserem Projekt andere Studiobetreiber oder Therapeuten anstecken können, die Barriere zwischen behinderten Menschen und der Gesellschaft abzubauen. Es reicht eben nicht, nur einen „Barrierefrei“-Aufkleber an der Türe haben,“ so der zertifizerte Personal Trainer, sportmedizinische Fitnesstrainer, Ernährungsberater und Buchautor kritisch.

Ehrgeizige Ziele

In den kommenden Monaten soll die Hilfestellung für andere Rollstuhlfahrer erweitert werden. Es werden Rollstuhlanbauten, Fixiergurte und andere Hilfsmittel getestet und ausführliche Erfahrungsberichte dazu veröffentlicht. „Unsere Plattform soll sich nicht nur auf sportliche Themen beschränken, sondern auch bei alltäglichen Dingen (vom Boden in den Rollstuhl setzen, Treppensteigen im Rollstuhl, etc.) Tipps und Techniken zur Verfügung stellen“, beschreibt Gessler seine ehrgeizigen Ziele – Nachahmung empfohlen!

Mobil-Telefon: 0157-37739571
E-Mail: thomasgessler@gmx.de
Web: personal-fitnesstraining.expert
Winkelstraße 6, 56766 Ulmen

Abstraktes Malkunstwerk in mehreren Farben
Oliver Musenberg
Fachthema
Oliver Musenberg

Fachdidaktik und Fachunterricht aus der Perspektive des Förderschwerpunkts geistige Entwicklung – Lebenspraxis und Fachorientierung als (scheinbare) Opposition

Wenngleich in der „Pädagogik für Menschen mit geistiger Behinderung“ die gesamte Lebensspanne von den frühen Hilfen bis zur Altenbildung thematisiert wird, ist die schulpädagogische Perspektive eine nach wie vor dominierende Ausrichtung des Faches. Diese, mit der historischen Entwicklung der sonderpädagogischen Fachrichtung zusammenhängende Profilierung hat allerdings zunächst kaum dazu geführt, die schulpädagogischen und fachdidaktischen Diskurse aufzunehmen und für den Unterricht im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung (FgE) fruchtbar zu machen. Stattdessen wurden mit der Fokussierung lebenspraktischer Bildung (vgl. Musenberg/Riegert/Lamers 2014) wesentliche Erkenntnisse der Fachdidaktiken und Ansprüche des Fachunterrichts ausgeklammert und für lange Zeit auf Distanz gehalten (vgl. Schäfer 2017, S. 127ff.). Dieses geschah wohl auch aufgrund der Notwendigkeit, den (Schul-)Bildungsanspruch von Schülerinnen und Schülern mit geistiger Behinderung zunächst noch legitimieren und in diesem Zusammenhang in den 1950er Jahren die strukturellen, organisatorischen und administrativen Bedingungen der schulischen Versorgung etablieren zu müssen.

Abstraktes Malkunstwerk in mehreren Farben
Hans-Jürgen Pitsch und Ingeborg Thümmel
Fachthema
Hans-Jürgen Pitsch, Ingeborg Thümmel

Arbeitskonzepte und Methoden – Versuch einer Ordnung für die pädagogische Arbeit mit kognitiv beeinträchtigten Schülern

Unterricht mit kognitiv beeinträchtigten Schülern richtet sich nach den jeweils gültigen Lehrplänen oder Richtlinien, die vordringlich Ziele und Inhalte des Lehrens und Lernens beschreiben und in schuleigenen Konzepten konkretisiert und modifiziert werden. Diese Inhalte sind vom Lehrer in kleine, unterrichtstaugliche Portionen zu zerlegen und die Schüler sollen an ihnen Kenntnisse, Fertigkeiten, Fähigkeiten, Einstellungen und Haltungen sowie Kompetenzen erwerben. Die konkrete Vermittlung der Lehrinhalte verlangt die Berücksichtigung der jeweiligen Ausgangslage der Schüler, den Fokus auf deren bevorzugte Lernweisen, geeignete Lernmittel (Medien) und schließlich auch zu diesen Bedingungen passende Methoden. Diese steuern das kurzfristige pädagogische Handeln; sie sind strukturierte Verhaltensvorschriften zur Lösung eines Problems und von geringerer zeitlicher Reichweite. „Methode“ und „Konzept“ sind die beiden Pole eines Kontinuums mit fließenden Übergängen und nur schwierig voneinander zu trennen, weshalb wir zusammenfassend von „Verfahren“ sprechen.

Abstraktes Malkunstwerk in mehreren Farben
Abstraktes Malkunstwerk in mehreren Farben
Fachthema
Erhard Fischer, Holger Schäfer

Bildung im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung

Die Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung (SFgE), so die gängige Bezeichnung in den meisten deutschen Bundesländern, hat es sich zwar – wie aus der Bezeichnung hervorgeht – programmatisch zur Aufgabe gemacht, vor allem die geistige (kognitive) Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen mit erheblichen und umfassenden Lerneinschränkungen und Beeinträchtigungen zu entwickeln, sie ist aber dennoch eine allgemeinbildende Schule. Und in solchen (wie auch im Unterricht im Förderschwerpunkt geistige Entwicklung losgelöst vom Ort der Beschulung) geht es immer und vor allem und um nichts anderes als um Bildung (Fischer 2008).

Ein mehrstöckiges Gebäude von außen
Ein mehrstöckiges Gebäude von außen
Report
Steffen Arora

Behinderte Heimopfer – die Geschichte wiederholt sich

Seit 2010 wird in Österreich der sogenannte Heimskandal aufgearbeitet. Tausende Kinder wurden in der Nachkriegszeit in staatlichen, kirchlichen sowie privaten Einrichtungen zu Opfern von Missbrauch und Misshandlungen. Auch Menschen mit Behinderung waren davon betroffen. Doch sie haben es besonders schwer, Ansprüche geltend zu machen, wie ein Fall aus Tirol zeigt.

Die Karikatur zeigt ein Schloss hoch oben und unten am Berghang im Vordergrund das verärgerte Gesicht des rollstuhlfahrenden Grolls und weiter hint...
Die Karikatur zeigt ein Schloss hoch oben und unten am Berghang im Vordergrund das verärgerte Gesicht des rollstuhlfahrenden Grolls und weiter hint...
Aus Grolls Skizzenbuch
Erwin Riess

Kloster Schwanberg oder Joseph III. auf Kur

Am Fuß der Koralpe, im Tal der Schwarzen Sulm, sitzt auf einem hohen Fels das Kloster Schwanberg über dem gleichnamigen Marktflecken, der sich touristisch der Vermarktung eines Hochmoors verschrieben hat. Der Dozent hatte seinen Freund Groll aber nicht des Moors wegen ins Schilcherland gelotst. Auch das Heilfasten war Herrn Grolls Sache nicht, seine Hoffnungen richteten sich auf die Bekanntschaft mit einem Sulmtaler Paradehuhn, goldgelb paniert, daneben sollte ein frischer Häuptelsalat seine Aufwartung machen, der mit einer Gallone Kernöl abgemischt sein müsste. Was an Öl übrig blieb, würde Herr Groll seinem Gefährten Joseph III. kredenzen, dessen Steckachsen Anzeichen von eklatantem Ölmangel aufwiesen. Eine ausgiebige Kernöl-Anwendung würde sie wieder stärken. Auf diese Weise würde Herr Groll drei Fliegen mit einer Klappe schlagen; Josephs Lauf würde beschleunigt, was wiederum Grolls Arme und Schultern entlasten würde und schließlich würde das Sulmtaler Backhuhn auch Herrn Grolls Gemüt auf Trab bringen.